Am 3. Oktober 2006 hatte die Marine in Kiel Tag der offenen Tür. Laut einer Zeitungsmeldung sollten im Tirpitzhafen einige Manöver stattfinden und diverse Schiffe zu besichtigen sein. Diese Gelegenheit, wieder einmal Schiffe zu sehen und Seeluft zu schnuppern, war einfach zu verlockend. Da musste ich hin. Kamerad André Smeilus war ebenfalls von der Idee begeistert und so beschlossen wir, für ein paar Stunden an die Ostsee zu fahren.
Fregatte Niedersachsen
Gegen 7.30 Uhr fuhren wir per Bahn von Berlin-Spandau los und erreichten, mit "geringfügiger" Verspätung, kurz vor 11 Uhr Kiel. Hier empfing uns Rolf Geiger. Unser erster Weg führte uns zum Bollhörnkai, wo die Fregatte Niedersachsen (F-208) lag. Ihr derzeitiger Kommandant war 1994 mein Hauptabschnittsleiter gewesen. Leider war er den ganzen Tag dienstlich an Land. Dafür lohnte sich jedoch der Besuch für André. Er wollte unbedingt ein Zippo-Feuerzeug von diesem Schiff haben. Da im Hangar eine große Auswahl an Zippos, Pins, Aufnähern etc. angeboten wurde, konnte er sich seinen Wunsch sehr schnell erfüllen.
Ehrenmal in Laboe
Anschließend fuhren wir mit dem Bus nach Laboe. Ca. eine Stunde später stiegen wir am Laboer Hafen aus. Über die wunderschöne Strandpromenade ging es zum Ehrenmal. Rolf beschloß draußen auf uns zu warten, da er in letzter Zeit öfter hier gewesen war. André und ich schauten uns erst einmal die Exponate im Freien an. Das bekannteste Stück von allen ist eine der Schiffsschrauben des Schweren Kreuzers Prinz Eugen. Seit ein paar Jahren befindet sich dort auch ein Modell dieses Schiffes in einem Maßstab von 1:200. Über den Ehrenhof gelangten wir dann in das Innere des Turmes. Wir guckten in alle Räume hinein und suchten vergebens nach unserem Claim. Dafür fand ich, zu meiner Freude, die Schiffsglocke des Schweren Kreuzers Admiral Hipper wieder und erinnerte mich daran, wie sie hier im September 1983 von der Bordkameradschaft Kreuzer Admiral Hipper dem DMB übergeben worden war. Der Weg zur oberen Aussichtsplattform erschien uns zum Laufen doch zu weit, so dass wir lieber den Lift nahmen. War es anfangs noch stark bewölkt gewesen, klarte es nun mehr und mehr auf. Der Ausblick von dort oben war einfach herrlich. Zuletzt sahen wir uns dann noch die Gedenkhalle an.
U 995 in Laboe
Danach ging es hinüber zum Technischen Museum U 995. Dieses VII-C-Boot, von denen seinerzeit mehr als 600 Stück gebaut worden waren, hat hier am Strand von Laboe seit über 30 Jahren seinen Platz. Unsere Besichtigungstour begann im Heckraum, wo die E-Maschinen und das achtere Torpedorohr untergebracht sind. Es ging weiter durch den Dieselraum, an der Kombüsenecke vorbei, in den Unteroffiziersraum. Ein eleganter Schwung durch das Kugelschott brachte uns in die Zentrale. Durch das vordere Kugelschott der Zentrale kamen wir zum Funk- und Horchraum sowie zur Ecke des Kommandanten. In der nächsten Abteilung befindet sich der Offiziersraum und zuletzt kamen wir in den Bugraum. Dort befinden sich die vorderen Torpedorohre und die Mannschaftsunterkünfte. Alles kam uns reichlich eng vor. Obwohl wir über diese Verhältnisse schon öfter etwas gehört hatten, konnten wir uns bei diesem Anblick nicht vorstellen, wie es 40 bis 50 Männer wochenlang in so einer Röhre aushalten konnten.
Mit dem Dampfer von Laboe nach Kiel
Nach Beendigung unserer Besichtigungstour spazierten wir gemütlich über die Strandpromenade zurück zum Hafen von Laboe. Es war nun bereits Mittag. André bekam jetzt Durst, und genehmigte sich eine "Molle". Ich hatte Hunger und gönnte mir eine warme Waffel. Am Hafen kamen wir wieder zusammen und gingen an Bord eines Fördedampfers. Über Friedrichsort, Möltenort und Mönkeberg ging es nach Bellevue hinüber. Es war die reine Freude, wieder einmal auf dem Wasser zu sein. Die M/S Kronprins Harald der Color Line lief gerade nach Oslo aus.
Auf der anderen Seite der Förde angekommen, marschierten wir über das Hindenburgufer zur Tirpitzmole. Vorn lag die Fregatte Sachsen (F-219) und am äußersten Ende die Fregatte Hamburg (F-220). Dazwischen befand sich der Tender Mosel (A-512). Die angekündigten Manöver waren bereits vorüber. Das jedoch tat unserer guten Laune keinen Abbruch. Andre und ich waren uns einig, dass sich die Fahrt bis hierhin bereits gelohnt hatte. Auf der Sachsen wurden die Besucher von der Stellingwache militärisch begrüßt. Ganz was Neues.
Fregatte Sachsen
Der kurze Rundgang über das Oberdeck – mehr war leider nicht zu besichtigen – genügte, um festzustellen, dass die 124er Fregatten eine ganz andere Welt sind, als die 122er. Einige Kameraden konnten das ja schon im vorigen Jahr auf der Fregatte Hessen feststellen. Bereits am Hangartor bemerkte ich die erste Veränderung. Der Hangar wurde durch einen Längsgang in der Mitte in zwei Hälften geteilt. Die ABC-Schleuse schien fast doppelt so groß zu sein. Ganz bequem gelangten wir über einen breiten Niedergang auf das Signaldeck. Die manchem Kameraden bekannte Eiger Nordwand ist also inzwischen Geschichte. Signaldeck und Nocken erschienen um ein vielfaches größer. Auch auf der Back hatte sich einiges verändert. Rolf und ich waren am Ende dieses Rundgangs sehr beeindruckt und konnten diese gewaltigen Veränderungen kaum fassen. André war glücklich, dass er seine Zipposammlung wieder erweitern konnte. Deshalb schauten wir auch auf der Mosel und der Hamburg vorbei. Gegen 17.30 Uhr waren wir drei wieder am Kieler Hafen, in der Nähe des Bahnhofs.
Rolf holte seine Frau Gaby ab, während André und ich die vielen Buden inspizierten. Aus jedem Bundesland waren Stände vertreten, die für ihre Heimat warben und kulinarische Spezialitäten anboten. Irgendwie gab es aber nichts, was nach unserem Geschmack gewesen wäre. Viel zu schnell ging dieser schöne Tag zu Ende. Gern hätten wir den Abend noch mit Rolf und Gaby gemütlich in einem Bierzelt ausklingen lassen. Aber es wurde Zeit, zum Bahnhof zurückzukehren. Auf dem Vorplatz fiel uns ein Marinesoldat auf, der über die Tische zu tanzen schien. Na so was. Als wir jedoch näher herangingen, erkannten wir, dass es sich um einen Spaßmacher auf Stelzen handelte.
Die Rückfahrt
Gegen 19.30 Uhr traten André und ich dann die Rückfahrt an. Unsere Füße schmerzten und wir waren todmüde. Zum Glück verlief die Fahrt diesmal ohne Verspätung. Pünktlich um drei viertel elfe, wie man hierzulande sagt, waren wir wieder daheim. Insgesamt war es ein wunderschöner Ausflug gewesen.
Text: Christian Wille
Fotos: Rolf Geiger und André Smeilus
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