Ein junger Weinheimer marschiert durch die Wüste - Menschen an der Bergstraße: Jonathan Blume war elf Tage zu Dreharbeiten in Marokko
Marokko gehört zweifellos zu den beliebten Reisezielen deutscher Touristen. Doch nur wenige dürften das Land so kennen gelernt haben wie der 26-jährige Weinheimer Jonathan Blume, Eigentlich absolviert er gerade eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann, aber dann wagte er einen „Seitensprung" ins Filmmetier. Als Komparse war er elf Tage lang in Marokko unterwegs. Für den Fernseh-Zweiteiler „Jagt die Korsaren des Kaisers", der der 'große Weihnachtsfilm des ZDF am 24. und 25, Dezember 2005 werden sollte. Doch Probleme mit dem historischen Filmmaterial, das die Spielfilmhandlung ergänzen wird, machten diesen Plan zunichte; jetzt soll der Zweiteiler irgendwann in diesem Jahr im ZDF gesendet werden.
Im Mittelpunkt des Film, der zur Zeit des Ersten Weltkrieges spielt, steht der Kreuzer „Emden", Die Besatzung macht sehr erfolgreich Jagd auf englische Schiffe, ehe der Kreuzer selbst versenkt wird. Die Besatzung rettet sich auf eine kleine Insel südlich des Jemen, gelangt schließlich aufs Festland und versucht sich zu Fuß durch die Wüste in die Türkei durchzuschlagen. Jonathan Blume spielt in dem Film den Matrosen Arnold Berg. „Immerhin hatte ich einen Namen", weiß der 26-Jährige, dass dies für Statistenrollen nicht unbedingt üblich ist, „Vielleicht taucht mein Name deshalb ja sogar im Filmabspann auf", hofft er. Zu sagen hatte der Weinheimer freilich nichts beim Dreh, das wusste er vorher. Aber was sonst auf ihn zukommen würde, da war Blume ahnungslos.
„Mich hat es einfach gereizt, bei einem Film mitzumachen. Außerdem hat die Produktionsfirma sämtliche Reisekosten übernommen", ging er das kleine Abenteuer völlig unvoreingenommen an und verzichtete dafür auch ohne Murren auf eine Gage. Diese Chance verdankte er seinem Bekannten Thomas Lautenschläger aus Ladenburg, Bundeswehr-Reservist wie Blume, aber im Gegensatz zu ihm früher auf der Fregatte „Emden" im Einsatz, an deren Besatzung sich die Produktionsfirma zuerst gewandt hatte.
Doch vor dem Abflug nach Marokko musste Blume noch ein Problem lösen: Sein Resturlaub reichte nicht aus, um elf Tage lang seinem Weinheimer Ausbildungsbetrieb D. Carpetence fernzubleiben, der sich mit dem Design und dem Vertrieb hochwertiger Teppiche beschäftigt. Als er seinem Chef Stephan Domaniecki von dem Dilemma erzählte, bekam Blume spontan eine Woche Sonderurlaub, was heutzutage sicher auch nicht selbstverständlich ist. Bald darauf saß er im Flieger nach Agadir. Von dort ging die Reise zum Basislager in M'hamid, einem beliebten Ausgangspunkt für Wüstentouren, Vier bis fünf Tage wurde hier gedreht: „Wir Komparsen mussten meistens nur in unseren historischen Kostümen durch die Wüste laufen, immer und immer wieder, bis die Einstellung im Kasten war", erinnert sich der Weinheimer und schmunzelt.
Doch die Aufgaben wurden mit der Zeit etwas anspruchsvoller. In Quarzazate und Essaouira, den beiden nächsten Stationen, waren von den Komparsen auch Gesten gefordert. „Wir mussten zum Beispiel einer Frau anerkennend hinterher pfeifen", erzählt Jonathan Blume. Auch Schießen (natürlich mit Platzpatronen) musste der Matrose und schließlich - „einer der Höhepunkte" - auf einem Kamel reiten. In Essaouira wechselte auch die Szenerie, Die Besatzung der (gesunkenen) „Emden" ging an Bord eines kleinen und wenig Vertrauen weckenden Bootes. „Privat wäre ich da nicht mitgefahren", graut es Jonathan immer noch vor dem Kahn, auf dem die Hälfte der Crew seekrank wurde, was auf den Gesichtern der Matrosen sicher als besonders, realistische Mimik im Film rüberkommen dürfte.
Auch wenn die zwei „echten“ Schauspieler, die 15 Komparsen und 30 Mitarbeiter: der Filmcrew ein bunt zusammen gewürfelter Häufen waren, die Zusammenarbeit klappte sehr gut, wobei die Komparsen, auch immer wieder beim Kisten schleppen mit anpacken mussten. „Mich hat überrascht, wie spontan vieles von Regisseur Jürgen Strumpfhans entschieden worden ist", zeigt sich der 26-Jährige beeindruckt. Da wurden Szenen im Drehbuch kurzerhand geändert und Drehorte verlegt. Für Jonathan Blume, war der Ausflug ins Filmmetier jedenfalls ein „spannendes Erlebnis", bei dem er jederzeit wieder mitmachen würde. Ambitionen, Schauspieler zu werden, hegt er freilich nicht. „Obwohl mir das Schminken und die Kostüme echt gut gefallen haben", wie er lachend ergänzt.

