Bis zum heutigen Tag ist die Versenkung der Hochseeflotte am 21. Juni 1919 weder verurteilt noch mit Strafen belegt worden.
Begründung:
Der Befehl zur Versenkung durch Admiral von Reuter ist in der Annahme erteilt worden, dass ab dem 23. Juni 1919 wieder Kriegszustand gegeben sei, da die Unterzeichnung des Versailler Vertrages von der deutschen Regierung als unmöglich bezeichnet worden war. "Lieber möge mir die Hand verdorren", hatte der Reichskanzler angeblich gegenüber Zeitungsmachern verkündet. Da die Nachrichten in Scapa Flow jedoch mit wochenlanger Verspätung eintrafen, da sie einer englischen Zensur unterlagen, mußte Vizeadmiral von Reuter annehmen, dass nach Ablauf des Ultimatums, welches die Siegermächte Deutschland gestellt hatten, wieder der Kriegszustand herrschte.
Zwar wurde die Versenkung von dem englischen Admiral Beatty scharf verurteilt, jedoch kam es nie zu einem Prozess und einer Verurteilung dieser Aktion. Verstärkend zu der Position von Reuters kam noch hinzu, dass der Befehl Kaiser Wilhelm II, "kein kampffähiges deutsches Kriegsschiff fällt in fremde Hände", nie aufgehoben wurde.
Daraus ergeben sich auch interessante Aspekte für die Bordgemeinschaft der Emdenfahrer: Denn es ist somit offensichtlich, dass die Engländer die Glocke der EMDEN II widerrechtlich in Besitz halten, denn nur in einem Krieg hätten sie Anrecht auf Beute gehabt. Da aber kein Kriegszustand mehr herrschte, sondern nur Waffenstillstand, war die Flotte angeblich im Namen aller Siegermächte in Scapa Flow interniert worden, um zu verhindern, dass Deutschland die Kriegshandlungen wieder aufnimmt.
Bücher zum Thema:
1. "Scapa Flow", Autor: Reuter, Hase & Köhler Verlag (Leipzig, 1921)
2. "Scapa Flow", Autor: Fr. Ruge, Buch und Welt (Oldenburg, 1919, 1969)
3. "Die Deutsche Flotte", Autor: Graf Reventlow, Fr. Lehmann Buchhandlung, 1901
