Unser Kamerad Werner Fischbach beschäftigte sich mit einem Vorfall in der U.S. Navy, der sich dadurch auszeichnet, dass ein negativer Vorgang nicht verschwiegen, sondern öffentlich gemacht wird. Im Gegensatz zur Praxis anderer Streitkräfte. Werner Fischbach hat dazu diesen Artikel verfasst.
USS Peleliu im Südchinesischen Meer. (Foto: U.S. Navy; Mass Communication Specialist 2nd Class Scott Webb)
Dass sich so mancher Vorgesetzte seinen Pflichten nicht gewachsen fühlte bzw. als ungeeignet für den jeweiligen Posten erwies, ist ja nichts Neues. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dies als „auf die Position seiner Unfähigkeit befördert“ bezeichnet.
Dies gibt es nicht nur im zivilen Leben, sondern auch – und vielleicht gerade – beim Militär. Wobei sich die Sache als etwas pikant herausstellt, wenn es sich dabei um Menschen handelt, die durch ihr Verhalten eigentlich ein Vorbild für die ihm anvertrauten Untergebenen darstellen sollten. Zum Beispiel, wenn es sich um einen Kommandanten eines Kriegsschiffs handelt. So etwas kommt bekanntlich in den besten Familien vor. Meist werden derartige Vorfälle möglichst geräuschlos erledigt bzw. der betroffene Kommandant auf möglichst elegante Weise „entsorgt“. Natürlich ist auch die US Navy gegen derartige Vorfälle nicht gefeit. Und da die amerikanische Marine um ein paar Nummern größer ist als die deutsche, kommt dies bei den Amerikanern nun mal öfter vor als bei uns Deutschen. Erstaunlich ist jedoch, dass in den USA dies eben nicht möglichst unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgewickelt, sondern auf der Presseseite der US Navy (www.navy.mil) veröffentlicht wird.
Am 4. September 2009 übernahm Captain David A. Schnell (rechts) in San Diego das Kommando über USS Peleliu. (Foto: U.S. Navy; Mass Communication specialist 2nd Class Corwin Colbert)
Allerdings möchte auch die US Navy die Hosen nicht so richtig runterlassen. So wurde am 17. August 2010 bekannt gegeben, dass der Kommandant des amphibischen Angriffsschiffs USS Peleliu (LHA 5), Kpt.z.S. David A. Schnell, zwei Tage zuvor vom Kommandeur des Marinezentralkommandos (Naval Forces Central Command) und der 5. Flotte, Vizeadmiral Mark I. Fox, seines Kommandos enthoben wurde. Weshalb? „Due to loss of confidence“, erklärt die US Navy. Weil der Kommandant also das Vertrauen seiner Besatzung verloren hat, nachdem er sich in einer unprofessionellen Art gegenüber einigen Besatzungsmitglieder verhalten hatte. Er verhielt sich unpassend, unfair und unangemessen, meint die Presseseite der Navy. Was auf USS Peleliu nun wirklich vorgefallen war, ist der Pressemeldung leider nicht zu entnehmen. Das Schiff befand sich zu diesem Zeitpunkt vor der pakistanischen Küste und wurde zur Katastrophenhilfe für die Flutgeschädigten eingesetzt.
Bleibt noch nachzutragen, dass der Kommandeur Einsatzgruppe (Expeditionary Strike Group) 3, Kpt.z.S Mark E. Cedurn, zunächst das Kommando von USS Peleliu übernommen hat.
Werner Fischbach