Im Oktober 1983 wurde die heutige Fregatte EMDEN in Dienst gestellt. Sie hat also schon ein stattliches Alter erreicht. Diese Tatsache zusammen mit den Einsparbemühungen der Regierung, die auch das Verteidigungsministerium betreffen, führt unweigerlich zu der Frage: Wie sieht die Zukunft der Fregatte EMDEN aus? Da gehen die Meinungen auseinander. Hier eine Anzahl Artikel, die wir zu diesem Thema gefunden haben:
23.06.10, Kieler Nachrichten
Massive Einschnitte wird es auch bei den Fregatten geben. Die acht Fregatten der "Bremen"-Klasse (Klasse 122) werden auf keinen Fall bis zur Indienststellung der als Ersatz vorgesehenen vier Schiffe der Klasse 125 in Fahrt bleiben. Zwei Fregatten sind bereits nicht mehr voll einsatzbereit.
Presse- und Informationszentrum der Marine
Unser Mitglied Nils wandte sich angesichts der Nachricht in den Kieler Nachrichten vom 23.06.10 an das Presse- und Informationszentrum der Marine. Hier die Antwort:
Wir können die von Ihnen bzw. die in der Zeitung erwähnten Punkte bezüglich der Fregatten der Klasse 122 nicht bestätigen. Der aktuelle Sachstand ist, dass die Fregatten der Klasse 122 einsatzfähig sind und ein erstes außer Dienst stellen / aus der Fahrbereitschaft nehmen nicht vorgesehen ist.
07.07.10, BMVg
Es gibt noch keine Entscheidungen über Einsparungen bei Rüstungsprojekten. Das erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums zu Presseberichten zum Thema „Priorisierung von Materialinvestitionen“.
Die Papiere, über die am 7. Juni 2010 in den Medien berichtet werde, seien die Grundlage für anstehende Diskussionen im Ministerium und im Parlament. Der Minister behielte sich vor, die genannten Papiere abzuändern oder zu ergänzen. Im Übrigen habe der Minister schon mehrmals betont, dass sich aus den neuen Strukturen, die im Moment für eine professionellere und bestens ausgerüstete Bundeswehr erarbeitet werden, auch Chancen für die Industrie ergeben.
Im Vorfeld hatten verschiedene Zeitungen über eine "Sparliste" der Bundeswehr berichtet. In dieser waren Waffen und Gerät aufgeführt, die zukünftig reduziert werden sollten.
08.07.10, Kieler Nachrichten
Neben der vorzeitigen Stilllegung der zehn letzten Schnellboote stehen alle acht Fregatten der "Bremen"-Klasse auf der Liste.
[...]
Von den vier bereits bestellten Fregatten der Klasse 125 soll ein Schiff bei den Werften wieder storniert werden. Zum Ausgleich empfehlen die Planer die schnelle Beschaffung von sechs einsatztauglichen und auch verfügbaren Korvetten (Klasse K131).
09.07.10, Ostfriesen-Zeitung
Von diesen sogenannten Handlungsempfehlungen könnte auch die Fregatte "Emden" betroffen sein. Das Schiff soll planmäßig im August [2010] zur Instandsetzung in die Werft. Die Marine hat bereits erklärt, dass sie Werfttermine aus Geldmangel verschieben will. In dem Papier des Verteidigungsministeriums wird darüber hinaus empfohlen, mittelfristig acht Fregatten vorzeitig auszumustern - davon wären die Fregatten der "Bremen"-Klasse, zu der auch die "Emden" gehört, wegen ihres Alters als erste betroffen.
09.09.10, Ostfriesen-Zeitung
Oberbürgermeister soll sich äußern
Die Idee, die Fregatte "Emden" nach ihrer Ausmusterung als Museumsschiff nach Emden zu holen, soll demnächst in einem Ratsausschuss behandelt werden. Diesen Antrag stellte jetzt die FDP-Fraktion. Sie möchte zudem von Oberbürgermeister Alwin Brinkmann wissen, ob er das Projekt zumindest "ideell" unterstützen würde.
Derzeit geht es um die Frage, ob es in Emden tatsächlich ein großes Interesse daran gibt, ein vergleichsweise großes Kriegsschiff nach Emden zu holen. Aktuell ist das noch kein Thema, weil die Fregatte "Emden" gerade erst in der Werft liegt und für mehrere Millionen Euro repariert wird. Daher wird das Schiff nach Experteneinschätzung mindestens noch fünf Jahre von der Marine eingesetzt werden. Vielleicht auch etwas länger. Das hängt auch davon ab, wie schnell die Marine mit ihren Fregatten-Neubauten vorankommt.
Die FDP möchte eine Antwort von Brinkmann, weil sich der Oberbürgermeister im Jahr 2001 dagegen ausgesprochen hatte, ein ausgedientes U-Boot als Museumsschiff in den Ratsdelft zu legen. Als Emden absagte, schnappte sich Bremerhaven das U-Boot. Es hat jetzt bis zu 170 000 Besucher im Jahr.
25.09.10, Emder Zeitung
Die Stadt Emden soll sich für die Fortführung des Namens „Emden“ für ein Schiff der Deutschen Marine engagieren. Das fordert der Emder FDP-Fraktionsvorsitzende Erich Bolinius.
In einem Schreiben hatte der Kommandant der Fregatte „Emden“, Jörg-Michael Horn, den Liberalen darauf hingewiesen, dass nicht sichergestellt ist, dass der Name „Emden“ weiterhin für ein Schiff der Marine geführt wird, wenn die jetzige Fregatte außer Dienst gestellt wird. Die neuen Fregatten der Klasse 125 werden Namen der Bundesländer tragen. Bolinius: „Für mich ist ganz klar, ein Schiff der Deutschen Marine muss auch weiterhin – wie seit rund 100 Jahren - den Namen der Stadt „Emden“ tragen.”
Am Rande der 10. Emder Börse hatten sich Horn und Bolinius noch einmal ausführlich über dieses Thema unterhalten. Bolinius will sich weiterhin für den Schiffsnamen einsetzen. Die Stadt haber er bereits im Verwaltungsausschuss auf diese Problematik hinzuweisen.
25.09.10, Ostfriesen-Zeitung
Das war schon bemerkenswert: Bei der Wirtschaftsmesse „Emder Börse“ begrüßte der Emder Oberbürgermeister Alwin Brinkmann nur einen Mann ausdrücklich. Und das war jemand, der mit Wirtschaft eigentlich wenig am Hut hat: Fregattenkapitän Jörg-Michael Horn, Kommandant der Fregatte „Emden“.
Es hatte seinen Grund, dass sich Horn in Emden vorstellte: Am 29. Juli dieses Jahres hat er das Kommando der „Emden“ übernommen. Und er macht sich Sorgen um den Namen „Emden“, den mit wenigen Unterbrechungen seit mehr als 100 Jahren deutsche Kriegsschiffe tragen. Brinkmann hob bei seiner Begrüßung Horns hervor, weil er die Bedeutung der Fregatte für die Stadt Emden und die ganze Region herausstreichen wollte.
Der Name „Emden“ könnte in den nächsten Jahren verschwinden, weil die 1983 in Dienst gestellte Fregatte zu den älteren Schiffen der Marine zählt – und damit zu den ersten Kandidaten für eine Außerdienststellung, wenn die Marine Sparpläne umsetzen muss. Horn weist darauf hin, dass zwar in den nächsten Jahren drei oder vier Fregatten in Dienst gestellt werden. Aber zwei davon haben schon die Namen von Bundesländern. Und weil einige Bundesländer wie Thüringen oder Sachsen-Anhalt noch keine Namensgeber sind, befürchtet Horn, dass für „Emden“ bald kein Platz mehr ist.
In einem Brief an die Vorsitzenden der Ratsfraktionen sah er daher die Zeit gekommen für eine „Strategie, sofern die Stadt Emden ein Interesse am Fortbestehen des Namens als Repräsentanz im nationalen und internationalen Rahmen“ hat. Unterstützung im Emder Rat hat Horn für sein Anliegen. SPD-Fraktionschef Hans-Dieter Haase sagte am Rande der „Emder Börse“, dass sich die Stadt Emden für die Beibehaltung des Namens auf Schiffen der Marine einsetzen werde.
Ähnlich äußerte sich gestern in einer Mitteilung sein FDP-Kollege Erich Bolinius. Wie das geschehen soll, ist allerdings noch offen. Um den Kontakt zu verstärken, möchte Horn mit Schiff und Besatzung wieder einmal die Patenstadt besuchen. Falls es der Einsatzplan zulässt, will Horn im kommenden Jahr zu einem großen Emder Fest kommen: zu den Matjestagen, der 3. Emder Hafenmeile oder dem Delftfest. Etwas Zeit ist noch. Denn derzeit befindet sich die „Emden“ in der Werft und wird für einen hohen einstelligen Millionenbetrag auf Vordermann gebracht.
Bei einer solchen Investition ist mit einer kurzfristigen Außerdienststellung nicht zu rechnen. Wenn es dazu kommt, muss die Geschichte der „Emden“ aber immer noch nicht zu Ende sein. Haase hält es zumindest für diskutierenswert, ob die Fregatte nach ihrer Außerdienststellung als Museumsschiff oder Denkmal nach Emden kommt. „Ideologische Vorbehalte“ habe die SPD nicht dagegen.
07.10.10, Ostfriesen-Zeitung
SPD hat kein Problem mit Fregatte
Die FDP erinnert an das im Jahr 2001 gescheiterte U-Boot-Projekt. Das droht dieses mal nicht. Aber es würde viel Geld kosten, die "Emden" zu eine Museumsschiff zu machen. Der Emder Dr. Klaus Bretschneider legte ein erstes Konzept vor.
Falls in ein paar Jahren wirklich die Möglichkeit besteht, die Fregatte "Emden" als Touristenattraktion in ihre Namensstadt zu holen - an der SPD wird das Projekt nicht scheitern. Das sagte jedenfalls der SPD-Fraktionschef Hans-Dieter Haase auf Anfrage der OZ. Die Sache liege dieses Mal anders als im Jahr 2001, als der Plan schon weit vorangeschritten war, ein Museums-U-Boot in den Delft zu legen. Damals ließ die SPD das Projekt scheitern.
Alleine aus touristischen Gründen sei es zu aber begrüßen, wenn die Fregatte "Emden" nach ihrer Ausmusterung als Museumsschiff nach Emden zurückkehre - dorthin, wo es Anfang der 80er Jahre gebaut worden war. Die Idee, bei einem Gespräch zwischen Haase und dem derzeitigen Kapitän Jörg-Michael Horn beim Wirtschaftstreffen "Emder Börse" vorsichtig geäußert, steckt ganz am Anfang.
Da die "Emden" derzeit für einen Millionenbetrag saniert wird, ist mit einer Außerdienststellung vorerst nicht zu rechnen. Der Emder Dr. Klaus Bretschneider, der damals das Konzept für das U-Boot entwickelt hatte, meint aber: "Wenn man das wirklich will, muss man jetzt anfangen. Wenn das Schiff außer Dienst gestellt wird, ist es zu spät", sagte er der Ostfriesen-Zeitung. Sein Vorschlag: Ein Verein "Freunde der Fregatte Emden" müsste sich gründen, das Schiff umbauen und betreiben.
Nach Bretschneiders Schätzungen kosten die Entmilitarisierung und die museale Herrichtung der Fregatte rund eine halbe Million Euro. Für Instandhaltung und Betrieb müsse man mindestens 100 000 Euro pro Jahr einplanen. Das ginge nur mit einem finanzkräftigen Förderkreis und dem Einsatz der Bordgemeinschaft ehemaliger "Emden"-Fahrer.