"Der lange Weg der Flaggen" - Ein Bericht, der uns von Bord erreichte:
Es ist der 21. Juni 1919, 14:15 Uhr, Scapa Flow. Die kaiserliche deutsche Hochseeflotte versenkt sich selbst. Besatzungsangehörige der HMS SHAKESPEARE erreichen den Kreuzer EMDEN II und bringen ihn in seichtes Wasser. Der 15-jährige Signalgast William Norman Black nimmt sich ein paar „Andenken“ mit. Den Großadmiralstander und den Konteradmiralstander des Admirals von Reuter legt er sich um den Körper unter seiner Uniform und birgt sie zu Hause unter seinen Sachen.
Noch Jahre später präsentiert er voller Stolz die historisch unglaublich wertvollen, schönen und sehr gut erhaltenen Flaggen. Niemals jedoch ist er gewillt, den vielen Kaufersuchen zu entsprechen. Nach seinem Tod hält seine Tochter, Mrs. Barbara Joseph, die Flaggen in Ehren, versteckt in den Andenken ihres Vaters. Über einen gemeinsamen Freund lernte sie Mrs. Betty Hockey kennen, deren ausgeprägtes Interesse an maritimen Zusammenhängen bald für neue Gedanken bezüglich der Flaggen sorgte.
Nach vielen Briefwechseln und Gesprächen wurden die Flaggen schließlich mit der Inventarnummer IV/0534/91 im Rahmen des Leihvertrages AZ 09-22 vom 03. Juni 1991 Bestandteil der ständigen Ausstellung im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven. Die Leihfrist betrug anfänglich drei Jahre und endete demnach am 30. Juni 1993.
Im Februar 2007 erreichte den Kommandanten der Fregatte EMDEN V, Fregattenkapitän M. Giss, ein Schreiben aus England, das mit jeder Zeile interessanter wurde. Ihm wurde von zwei Flaggen berichtet, die ursprünglich auf dem Kreuzer EMDEN II wehten und nun seit längerer Zeit im Deutschen Schifffahrtsmuseum ausgestellt wären und doch wieder Teil des Interieurs der Fregatte werden sollen, die den stolzen Namen EMDEN trägt. Einige Briefwechsel mit England und Besuche, natürlich inkognito, im Bremerhavener Museum später bestätigten die Vermutung, dass die Flaggen auch noch 14 Jahre nach Ablauf der Leihfrist dort ausgestellt sind.
Ausgerüstet mit der schriftlichen Willensbekundung der Eigentümerin, Mrs. Barbara Joseph, machte sich die aus zwei Offizieren bestehende Abordnung der EMDEN auf den Weg nach Bremerhaven, um beide Flaggen sicher zur EMDEN zu eskortieren.
Die feierliche Übergabe der Flaggen von Mrs. Barbara Joseph und ihrer Freundin Mrs. Betty Hockey sowie ihren anwesenden Familienangehörigen an den Kommandanten und den Signalgasten Hauptgefreiter Wilhelm, stellvertretend für die Besatzung der Fregatte EMDEN, wurde begleitet vom Kommandeur der Einsatzflottille 2, dem Flag Officer Sea Training, RAdm. Ibbetson, sowie vielen anderen geladenen Gästen und Vertretern der umliegenden Schiffe anderer Nationen.
Der lange Weg zweier alter, historisch immens wertvoller und nicht zuletzt auch sehr schöner Flaggen war zu Ende. Sie werden nun eine würdige Heimat auf der Fregatte EMDEN finden und ihre Geschichte wird Teil der Geschichte der Schiffe mit dem Namen EMDEN werden.